Aktuelles

Weitere aktuelle Informationen zu den Einrichtungen finden Sie auch unter Presse.


5. Nikolausmarkt im Seniorenzentrum Renthof

7. bis 9. Dezember, 14–19 Uhr

Im weihnachtlich geschmückten idyllischen Innenhof des historischen Renthofs werden liebevoll bestückte Marktstände ein vorweihnachtliches Ambiente schaffen.

8. 12., ab 17 Uhr: Der Nikolaus rockt!
Musikalisches Special mit Ömes Theis und Stefan Hannen

9. 12., ab 15 Uhr: Weihnachtliches Potpourri
mit dem Chor der Stadt Vellmar, Leitung Manfred Streckenbach

An allen drei Tagen wird Kulinarisches von Glühwein bis Bratwurst angeboten.


So gut es eben geht
Sitztanz mit Irmgard Sperzel – dreimal im Monat

Tanzen, das ging doch eigentlich anders als im Sitzen, findet Will Williams, als er zwischen sieben Frauen auf einem Stuhl Platz genommen hat, den Rollator hinter sich geparkt. Doch Gesellschaftstänze sind beim Seniorentanz auch nicht gemeint, erklärt Irmgard Sperzel, die selbst bereits 80 Jahre alt ist und seit 20 Jahren die Seniorentanzgruppen im Renthof leitet: „Voraussetzung dafür, dass jemand mitmacht, ist ein wenig Gefühl für Rhythmus und musikalische Begeisterung.“

Manche der Mittänzerinnen werden von den Altenpf leger innen gebracht, andere kommen – auch mit Rollator – selbständig. Die 99-jährige Elsa Vöckel ist die älteste Sitztänzerin.

Ein kleiner Aufwand für die Beschäftigten des Renthofes ist der Seniorentanz schon, denn sie müssen den Kaffee eher bereitstellen und einigen der BewohnerInnen vorher auch noch beim Toilettengang helfen. Aber das Haus legt Wert darauf, dass der Sitztanz regelmäßig dreimal im Monat angeboten werden kann, und so gäbe es viel nette Unterstützung von Seiten der Pflegerinnen, freut sich Sperzel.

Zu Musik, die den Menschen gefällt, an die sie sich aus ihrer Jugendzeit erinnern, die sie sogar noch auswendig mitsingen können, führt Sperzel Bewegungen mit Armen, Händen, Fingern und dem ganzen Oberkörper vor und die TänzerInnen machen einfach nach und mit, so gut es eben geht.

Ein Begrüßungslied, in dem es heißt: „Seid alle willkommen“ stimmt auf die Stunde ein. Immer wieder erinnern sich die TeilnehmerInnen an kurze Episoden aus ihrem Leben. Bei dem Lied „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor“, berichtet eine Frau: „Das habe ich auch mitgemacht, ich habe meinen Mann immer von der Kaserne abgeholt.“

Zu einigen anderen Liedern teilt Sperzel Bälle aus, erst einen, den die SitztänzerInnen im Takt von einer Hand in die andere reichen und auf die Oberschenkel tupfen. „Wenn jemand etwas in der Hand hat, dann fällt das Mitmachen leichter“, sagt die erfahrene Kursleiterin. Und so gibt es nicht nur Bälle, sondern je nach Lied und Mitmach-Gelegenheit auch Tücher oder Teller.

Zöpfe aus je drei Feinstrumpfhosen sind zu einem langen Kreis verknotet: „Das ist unsere Zauberschnur“, erklärt Sperzel. Und zu einem weiteren Lied bewegen die Teilnehmenden in Wellen die Schnur auf und ab.

Jedes Mal bringt sie den TänzerInnen auch ein neues altes Lied mit neuen Bewegungen bei, sie marschieren im Sitzen, rollen die Hände, klatschen und kreuzen die Arme: Manche Bewegungen fallen den BewohnerInnen sichtlich schwer. Aber das macht nichts, Sperzel erkundigt sich nach ihrem Befinden, ist mit ihnen vertraut. Schade findet sie es, dass viele Menschen erst so spät ins Seniorenwohnheim kämen, wenn fast nichts mehr geht, sie schon sehr hilflos sind. Hier im Renthof gäbe es Gesellschaft und Anregungen, und das schätzten die BewohnerInnen sehr.

Sylvia Hubele


Begegnungen im Renthof
im ,Aktionsmonat Kasseler Altenpflegeeinrichtungen’

„Mitten im Leben – Begegnung im Stadtteil“, so hieß das Motto für viele Aktionen im September in Kasseler Pflegeeinrichtungen. Das Seniorenzentrum Renthof beteiligte sich, indem es am 15. September zum Tag der Offenen Tür und zu einem Fachvortrag von Nicole Richard einlud. Das Thema: „Die innere und äußere Erlebniswelt von Menschen mit Demenz – die Integrative Validation“.

Der Saal im historischen Renthof ist mit Angehörigen, Pflegenden aus dem privaten wie auch dem beruflichen Bereich und vielen anderen Interessierten gefüllt. Nicole Richard ist schnell beim Thema und vor allem schnell bei Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, die „Zeitensprünge“ und eine „neue innere Realität“ erleben: Sie sind gefangen in ihren Gefühlen und Erinnerungen, während die aktuelle Realität nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Integrative Validation meint einen wertschätzenden Umgang mit Menschen mit Demenz und stellt Ressourcen in den Mittelpunkt. Sie orientiert sich an der Wirklichkeitssicht dieser Menschen und erklärt deren Gefühle und Antriebe für gültig.

Ein weiterer Höhepunkt dieses Tages war die Vorstellung eines Musterzimmers im Neubau am Unterneustädter Kirchplatz – dem mittlerweile so benannten Seniorenzentrum Unterneustadt. Mitten im Rohbau gibt es ein Zimmer im 1. Obergeschoss, das bereits vollständig hergestellt ist. Farbe, Fliesen, Vorhänge, Möbel, Sanitärausstattung, eben alles, und die aktuelle Tageszeitung liegt auf dem Tisch. Den ganzen Tag war das Interesse groß, und mit Lob wurde nicht gespart.

„Jeder an Demenz erkrankte Mensch hat in sich auch mindestens ein solches völlig intaktes und aufgeräumtes Zimmer. Wenn man es sucht, kann man es auch finden“, ist Vorstandsvorsitzender Gerald Reißmann überzeugt.


Führungen ins Musterzimmer

Neues vom Neubau in der Kasseler Unterneustadt

Auf der Baustelle für eine neues Seniorenzentrum wächst nicht nur das Gebäude, sondern auch die Vorstellung, wie es wohl nach der Fertigstellung aussehen wird. Nach dem Einbringen der Bodenplatte nimmt nun das 2. und 3. Obergeschoss Form und Gestalt an. Auch die große Terrasse auf dem Erdgeschoss vermittelt schon jetzt den fühlbaren Eindruck, wie gemütlich man sich hier einrichten kann.

Durch das Einrücken des Baukörpers ab dem 1. Obergeschoss bleibt auch den unmittelbaren Nachbarn der unverbaute Blick zum Himmel. Zur Leipziger Straße folgt die Attika der vorgegebenen Gebäudelinie, mit der das Oval des Unterneustädter Kirchplatzes betont wird. Mit der Fertigstellung des Rohbaus rechnen wir im August 2012.

Im Frühsommer wird im 1. Obergeschoss ein Musterzimmer ausgestattet. Vornehmlich dient es dazu, die Funktionalität auf dem Papier mit der Realität abzugleichen. Das Besondere: Interessierte können sich dieses Musterzimmer ansehen. Wir bieten Führungen an, die in der Tageszeitung angekündigt werden bzw. im Seniorenzentrum Renthof – (0561) 709930 – oder der Geschäftsstelle – (0561) 970100-0 – erfragt werden können.

Gerald Reißmann (Vorsitzender des Vorstands)


Glück auf acht Pfoten

Schutz- und Begleithunde im Kontakt mit demenziell Erkrankten

„Luna ist der allerschönste Hund der Welt!“ Frau B., langjährige Bewohnerin des Seniorenzentrums Renthof ist sich da ganz sicher und sagt es Besuchshund Luna immer wieder, wenn sie ihn freudestrahlend begrüßt. Auch Isis wird mit einem Kompliment bedacht, auch völlig zu Recht, und die Lobende weiß sich im völligen Einvernehmen mit allen anderen BewohnerInnen, die die Freude haben, von den beiden Schäferhunden regelmäßig besucht zu werden.

Da das Seniorenzentrum Renthof momentan nicht über eigene Hunde und Katzen verfügt, begleiten beide Hunde häufig ihre Besitzerin, eine unserer examinierten Altenpflegekräfte, zur Arbeit in den Renthof, in dem vor allem viele an Demenz erkrankte alte Menschen leben.

Da erstrahlt ein glückliches Lächeln auf Gesichtern, von denen man sonst den Eindruck hat, dass ein Lächeln gar nicht mehr möglich ist. Da zeigt sich auf einmal, dass Hände, die sonst unkontrolliert und grobmotorisch zupacken, zielgerichtet und vor allen Dingen sanft berühren können und dass auch Menschen mit einer demenzbedingten eingeschränkten Sprachfähigkeit Worte finden, um den Tieren zu sagen, wie glücklich sie über ihren Besuch sind und wie gern sie sie doch streicheln.

Und wenn es doch etwas gröber oder lauter wird – Luna, die zehnjährige Schäferhündin hat alle Geduld der Welt. Sie kennt sich aus, hat in neun Jahren reiche Erfahrungen im Zusammentreffen mit alten und kranken Menschen gesammelt und ist der noch jungen Schäferhündin Isis ein echtes Vorbild. Isis, altersbedingt noch wild und voller Energie, weiß trotzdem schon genau, was sie zu tun hat und reagiert bei der ,Arbeit’ schon ganz professionell, sei es beim Stillhalten beim Gestreichelt-Werden oder beim Erhalten von Leckerlis, wenn der Gebende Unterstützung braucht.

Die beruhigende Wirkung, die der ausgebildete Schutz- und Begleithund Luna gerade auf demenziell und körperlich eingeschränkte Menschen hat, wurde schon früh erkannt und genutzt. Luna wurde mit großem Erfolg in der Betreuung von an Multipler Sklerose Erkrankten und Menschen im Wachkoma eingesetzt. Fernsehsender wie VOX, WDR und Schweizer Fernsehen berichteten darüber. Isis scheint über vergleichbare Eigenschaften zu verfügen, sodass Luna einmal eine würdige Nachfolgerin haben wird. Beide sind ein ,Glück auf acht Pfoten’, auf das im Seniorenzentrum Renthof niemand mehr verzichten möchte.

Birgit Pöppler (Altenpflegerin)


Ein – fast – unglaubliches Leben

Will Williams malte die Plakate der heutigen Filmklassiker

„Zeichnen ist wie Radfahren, das verlernt man nicht“, sagt Will Williams schmunzelnd. Der 90-Jährige wohnt seit etwa einem Jahr im Seniorenzentrum Renthof und erinnert sich gerne an sein unglaubliches Leben: Denn ob Marilyn Monroe, Charlie Chaplin oder John Wayne – Williams malte sie alle. In den 1950er und 60er Jahren, als die Filmplakate noch von Hand gemalt wurden, war Will Williams für viele Plakate der heutigen Filmklassiker verantwortlich.

Gelernt hatte er sein Handwerk in Italien. „Die Italiener waren damals die berühmtesten Filmplakatmaler der Welt“, ist sich Williams heute noch sicher. Er blättert in dem Buch, in dem seine Lebenserinnerungen festgehalten sind. Mein unglaubliches Leben erschien 2007 im Herbig- Verlag.

„John Wayne war eifersüchtig auf mich.“ Ein schalkhaftes Lächeln zieht sich über das Gesicht des alten Herrn, der wirklich Unglaubliches zu berichten hat. Der Westernregisseur John Ford zum Beispiel sei sehr diktatorisch mit seinen Schauspielern umgegangen, also auch mit John Wayne. Und Wayne war nicht begeistert über die Freundlichkeit, mit der Ford seinen Illustrator Will Williams behandelte, erinnert sich Williams.

Schon als Kind war Williams von der Welt des Films begeistert. In Wuppertal, wo er aufwuchs, nahm ihn die Mutter regelmäßig mit ins Kino. Williams besuchte die Kunsthochschule und wurde 1941 zur Marine eingezogen. An der Frontbühne zeichnete er Heinz Rühmann und Hans Albers. „Aufgrund der Zeichnerei war ich in der Lage, den Krieg zu überleben“, konstatiert Williams. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft und zeichnete dort Anti-Nazi-Propaganda für die OSS, die Vorgängerin der CIA.

1959 wurde Will Williams amerikanischer Staatsbürger und lebte 30 Jahre lang in Hollywood. Der gebürtige Deutsche war der Liebling der Stars und konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Er lernte Rosita Serrano, die „chilenische Nachtigall“ kennen und lebte einige Zeit in Chile, wo er auch den Diktator Augusto Pinochet malte.

Immer wieder sinniert Williams über Namen und Orte nach: „Wie hießen sie alle noch? – Ach, weiß der Himmel!“ Er blättert in seinem Buch über sein – fast – unglaubliches Leben.

Sylvia Hubele


Mit wenigen Handgriffen viel Freude bereiten

Neun Freiwillige: engagiert im Renthof

Tische rücken vor der Weihnachtsfeier, Grillen beim Sommerfest oder das gemeinsame WM-Schauen organisieren - das sind Aufgaben, die im Renthof seit 2004 ein Team von freiwilligen Helfern übernimmt. "Mit der Zeit sind es immer mehr geworden, weil alle das in ihren Bekannten- und Freundeskreis weitergetragen haben", sagt Heimleiterin Martina Dittel. "Inzwischen sind es neun, die uns regelmäßig bei Veranstaltungen unterstützen. Bei der Pflege dürfen sie nicht mithelfen, das darf nur das Fachpersonal, aber über die tatkräftige Hilfe bei Festen freuen wir uns sehr! Ohne sie wäre z. B. der Nikolausmarkt nicht zu machen."

Und dann gibt es noch die ,gute Seele’ Friedel Waschkowitz, die ein- bis zweimal in der Woche in der Hausgemeinschaft 2 ehrenamtlich kocht und backt.

Als kleines Dankeschön unternimmt Martina Dittel Ausflüge mit den Helfern. Nora Wetzel fotografierte die Gruppe Ende September, kurz vor der Abfahrt zu einem gemeinsamen Wochenende in Dresden. Dabei fragte sie die Freiwilligen auch, warum sie im Renthof arbeiten.

Frank Borsuk: Älter werden ist etwas, das uns alle betrifft – und das Personal in den Pflegeheimen wird immer weniger, da braucht es Eigeninitiative. Ich bin jetzt noch in der Lage, Anderen zu helfen. Vielleicht tut ja später mal jemand dasselbe für mich?

Bernd Dietrich: Ich arbeite hier, weil das Miteinander von Menschen mir wichtig ist – alleine können wir nicht leben. Harald Eichhorn: Es macht richtig Spaß, wenn man sieht, wie die alten Leute sich freuen können, und es ist toll, dass man Leute mit wenigen Handgriffen so glücklich machen kann.

Jürgen Ludwig: Wir wollen jüngeren Leuten, die ihre Angehörigen im Renthof besuchen, zeigen, dass man sich auch in diesem Bereich engagieren kann. Auch in unseren Freundes- und Bekanntenkreis tragen wir das weiter.

Wilfried Ludwig: Ich will einfach helfen, Wenn wir z. B. zum Zissel oder zu Weihnachten Veranstaltungen machen, ist es schön, wie die Leute sich freuen.

Karsten Weide: Wenn man hier einmal dabei ist, ist das wie ein Selbstläufer. Die Gemeinschaft mit den anderen Helfern ist schön. Wir machen auch Ausflüge oder verbringen mal einen Abend zusammen.

Joachim Martens: Ich finde die Gespräche mit den älteren Leuten interessant, weil sie oft ganz andere Ansichten haben – da sieht man die Dinge mal aus einer anderen Perspektive und kann seine Meinung festigen oder überdenken.

Volker Hartung: Ich habe die Gruppe hier durch Zufall kennen gelernt, als ich im Renthof eine Brandmeldeanlage installiert habe. Ich mache mit, weil ich gemerkt habe, dass man mit dem Engagement hier ganz schön viel bewerkstelligen kann.

Reiner Daniel: Es ist schön, in einem tollen Team den älteren Menschen hilfreich zur Seite zu stehen.




Kompetenzzentrum Demenz

Der Zukunft ein Stück näher - Umzug 2013

Sicher haben Sie in den letzten Wochen und Monaten immer wieder gehört: Die Sozialgruppe Kassel baut ein neues Altenheim. Und sicher haben Sie sich auch gefragt, wann das denn endlich soweit ist. Nun - jetzt geht es richtig los! Am 3. 3. 2011 haben wir vom Hessischen Sozial­ministerium in Wiesbaden das Okay für unseren Neubau erhalten, am 20. 4. 2011 wurde die Baugenehmigung erteilt. 70 Jahre lang war das Seniorenzentrum der Sozialgruppe Kassel e.V. (vormals Verein für Volkswohl e.V.) im Renthofgebäude untergebracht. 70 Jahre, in denen wir unsere Vorstellungen davon, wie alte, pflegebedürftige Menschen leben können, entwickelt haben. Vor einigen Jahren reifte die Erkenntnis, dass ein "normaler" Stationsbetrieb, wie bis dahin üblich, nicht den Wünschen und Bedürfnissen von an Demenz erkrankten Menschen entspricht und dass es andere, bessere Möglichkeiten geben muss.

So änderten wir trotz großer baulicher Probleme im historischen Renthof unser Konzept und passten es damit modernen Strukturen an, indem wir Hausgemeinschaften eingerichtet haben. Das Leben bzw. auch die Pflege in den Hausgemeinschaften zeichnen sich durch die Normalität des Alltags aus. In einer großen Wohnküche ist Teilhabe der BewohnerInnen an der Speisenzubereitung und die Gestaltung des Tagesablaufes nach deren Wünschen und Bedürfnissen gewollt und möglich. Weitere Elemente sind Haustiere, Gruppenaktivitäten, ein Friseursalon etc.

Für die vielen weiteren Ideen, die sich bisher wegen der baulichen Beschränkungen nicht umsetzen ließen, soll nun das neue Haus am Unterneustädter Kirchplatz den erforderlichen Raum bieten. Im neuen Haus werden wir unsere Arbeit als Kompetenzzentrum Demenz erfolgreich fortführen.

Einiges aber wird sich ändern: (Pflege-)Stationen im ­ herkömmlichen Sinn wird es nicht mehr geben. Wir werden acht Hausgemeinschaften haben, die insgesamt Platz für achtzig BewohnerInnen bieten. Die Unterbringung erfolgt ausschließlich in Einzelappartements, deren Größe von jeweils 22,5 qm deutlich mehr Platz bieten als im Renthof. Jede Hausgemeinschaft wird über einen großen Wohn- und Küchenbereich verfügen, genügend Raum für den gemeinsamen Alltag.

Die Einrichtung wird, wie auch in unseren jetzigen Hausgemeinschaften, der Realität der dort lebenden Bewohner angepasst, also nicht hochmodern oder gar steril, sondern mit Möbeln ausgestattet sein, die der Zeitphase entsprechen, an die sich die Bewohner erinnern können, und in dem Stil, in dem auch ihre Wohnungen eingerichtet waren. Die Grundausstattung der Appartements besteht aus Pflegebett mit passendem Nachttisch und Kleiderschrank, damit bleibt genug Platz, das neue Zuhause mit eigenen Einrichtungsgegenständen wohnlich zu machen.

Zwar müssen wir im Neubau auf unseren beliebten Innenhof verzichten, eine begrünte Terrasse und diverse Balkone werden diesen aber ersetzen. Eine Orangerie, als Wintergärten konzipierte Loggien und der Freisitz in der 5. Etage mit Blick über Kassel bieten für alle Jahreszeiten kleine grüne Oasen. Auch sonst bietet das neue Haus viele Annehmlichkeiten und Unterhaltsames.

So wird die im Hause befindliche Bäcke­ rei nicht nur unsere Bewohner morgens mit frischen Brötchen versorgen, sondern bietet auch Möglichkeiten für einen kleinen Einkauf oder einen Kaffee­klatsch. Ein Raum im Haus wird für Kinovorstellungen und andere Kulturveranstaltungen bereitgehalten. Für die im Renthof so beliebten große Feste wird auch im neuen Haus ein großer Saal zur Verfügung stehen. Für einen weiteren Raum ist eine Einrichtung geplant, der einer anderen lieben Gewohnheit Raum bieten soll - dem abendliche Kneipen­besuch. Möblierung und Dekoration werden Kneipenfeeling vermitteln. Ein Gästezimmer wird es Angehörigen oder sonstigen Gästen ermöglichen, ihren Besuch etwas länger auszudehnen, auch dies war bisher leider nicht möglich.

Und noch ein lang gehegter Wunsch wird wahr werden: Die Kindertagesstätte Unterneustadt wird eine Dependance bei uns einrichten, sodass auch fröhliches Kinderlachen durchs Haus schallen und es sicherlich bei vielen Gelegenheiten zu Begegnungen zwischen Jung und Alt kommen wird. Überhaupt wird die Einbeziehung der Außenwelt eine größere Rolle spielen. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es Wohnungen, Läden, Bürohäuser, man wird den Straßenlärm nicht nur hören, sondern das bunte Treiben auf den Straßen auch beobachten können. Nach wie vor sind Fulda und Aue schnell zu erreichen, sodass Spaziergänge im Grünen wie bisher zum Tagesablauf gehören.

Und dann sind da noch fünf Penthouse-Appartements, die an Interessierte vermietet werden sollen. Dabei geht es nicht etwa um betreutes Wohnen, sondern mit der freien Vermietung soll ein Stück Normalität ins Haus einziehen - man hat Nachbarn wie in jedem anderen Haus auch.

Sie sehen - wir haben viel geplant, uns viele Gedanken gemacht und brennen darauf, sie endlich umzusetzen. Wann ist der erste Spatenstich zu erwarten? August 2011. Was wir in den nächsten Monaten tun? Die Lage und Art des Baugrundstücks haben ­insgesamt einen erhöhten Aufwand zur Folge. Das Grundstück befindet sich in der Unterneustadt - einem Stadtteil, der im letzten Krieg vollständig zerstört und dann zum Bodendenkmal erklärt wurde. Darüber hinaus befanden sich unter unserem Baugrund aber auch in noch ­ weiter zurückliegender Zeit das Leipziger Tor und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Siechenhaus der Charité. Aus diesem ­ Grund werden die Aushubarbeiten auch in archäologischer Begleitung stattfinden.

Wir hoffen auf jeden Fall darauf, dass wir im neuen Haus ab März 2013 mit unserer bisher so erfolgreichen Arbeit fortfahren können.

Birgit Pöppler (Pflegefachkraft und
Pressebeauftragte Seniorenzentrum Renthof)


Würde im Alter

Respektvoller Umgang mit BewohnerInnen im Seniorenzentrum

Was würden sich die BewohnerInnen wünschen und was sollte möglich sein beim Pflegen und im Umgang mit ihnen? Aus jahrelanger Erfahrung bei der Pflege meiner dementen Mutter habe ich viel Neues zu beachten gelernt, denn oft sind es Kleinigkeiten, die den BewohnerInnen den Tag verschönern und für Zufriedenheit sorgen.

Wie schön fängt der Tag an, wenn man das Zimmer oder den Gemeinschaftsraum betritt mit einem freundlichen Gruß und einem Lächeln im Gesicht, der Bewohner wird mit seinem Namen angesprochen, man fragt ihn, wie es denn so geht, und schaut ihm dabei ins Gesicht, denn auch die Menschen, die nicht mehr sprechen können, antworten mit einem Lächeln oder Kopfnicken und freuen sich über die Ansprache.

Beim Pflegen und Ankleiden sollte es selbstverständlich sein, diese oft schwierige Situation so angenehm wie möglich zu gestalten. Ansprache spielt auch hier eine große Rolle: Was möchten Sie anziehen? Wie kann ich Ihnen bei der Haarpflege helfen? Meine Mutter hat sich gefreut, wenn sie im Spiegel nachschauen konnte, "ob die Frisur sitzt". Brillen oder Gehhilfen reichen sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Geht man dann zum Wohnbereich, freuen sich die BewohnerInnen über einen schön gedeckten Tisch, viele sitzen gern an ihrem "Stammplatz". Einige essen auch lieber allein am Tisch in ihrem Zimmer, schön, wenn man darauf Rücksicht nehmen kann. Das wäre auch eine nette Geste von BesucherInnen: Ein Kaffeekränzchen mit Unterhaltung im Zimmer oder am Tisch im gemeinsamen Wohnbereich - gibt dieses doch dem Bewohner ein Gefühl von Zuwendung.

Vielleicht können BesucherInnen auch beim Essenreichen helfen, dazu braucht es allerdings Zeit und den Mut, das Personal um Hilfe zu bitten, wenn es nicht gleich gelingt. Sollten die Tischmanieren des Gegenübers in Vergessenheit geraten sein, so gilt es, das mit Humor und ohne Kritik in Kauf zu nehmen. Weitere Hilfen können z. B. sein, aus der Zeitung vorzulesen, einfach nur die Hand zu halten oder vielleicht einen kleinen Ausflug zu zweit an die frische Luft zu unternehmen.

Am Ende der Besuchszeit sollte keine Hektik aufkommen. Außerdem ist es nicht ratsam zu sagen, dass man selbst jetzt nach Hause geht und der Bewohner im Heim bleiben muss. Ich selbst habe meiner Mutter liebevoll "Tschüss, ich gehe jetzt einkaufen", gesagt und mich auch von MitbewohnerInnen und Personal freundlich verabschiedet.

Patricia Fiand
(Heimbeirat Seniorenzentrum Renthof)



Im Inneren eine grüne Oase
Tag der Offenen Tür im Renthof

"Und das ist unsere kleine Oase, ein Sinnesgarten, der wird von den Bewohnern gerne genutzt", erklärt Alltagsbegleiterin Ursula Jahn, als sie mit Charlotte Ludwig den Innenhof des Renthofs betritt. Sie führt am Tag der Offenen Tür BesucherInnen durch das Seniorenzentrum Renthof. "Das ist ja wunderbar hier", sagt Charlotte Ludwig und schaut sich in dem grünen, ruhigen Innenhof um. "Von außen sieht man das ja gar nicht."

Dann geht es weiter zur Hausgemeinschaft des Renthofs, in der zwölf Personen und Hauskater Spooky leben, mit gemeinsamer Küche und einem gemütlichen Aufenthaltsraum.

„Wir veranstalten den Tag der Offenen Tür, um die Hemmschwelle zu senken“, erklärt Martina Dittel, die Leiterin des Renthofs. „Die meisten kommen erst her, wenn sie einen Platz suchen. Jetzt kann man einfach mal so schauen, und das wird auch angenommen.“ Tatsächlich herrscht reges Treiben: Alte und junge Menschen sitzen bei Kaffee und Kuchen zusammen, vorn singt Wolfgang Mucha, begleitet von einer kleinen Band, Seemanns- Lieder.

Ursula Jahn und Charlotte Ludwig sind inzwischen bei den Plänen für den Neubau angekommen. Doch der historische und so imposante alte Bau lässt die Besucherin noch nicht los: „Ein bisschen schade ist es ja schon um diese schönen Räume.“

Nora Wetzel


Ganz Deutschland …
… und der Renthof im Fußballfieber

„Ganz Deutschland im Fußballfieber“ – so war es in den Tagen der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika überall zu lesen und zu hören. Dass diese Aussage zutraf, bewiesen die BewohnerInnen des Seniorenzentrums Renthof. Alle waren voller Vorfreude, jeder wollte dabei sein. Und so organisierten Heimleitung und Haustechniker ein hausinternes ,public viewing’, das sich sehen lassen konnte.

Der Saal, ohnehin Schauplatz vieler fröhlicher gemeinsamer Feiern, wurde zur Fan-Meile umfunktioniert. Die Wände wurden stilecht mit Fahnen, Trikots, Bildern und sonstigen Dingen, die ein Fußballfanherz erfreuen, dekoriert. Auch eine Torwand durfte nicht fehlen.

Ein großer Bildschirm sorgte für den Überblick und die genaue Sicht auf die Helden des runden Leders. Und natürlich war auch für Speisen und Getränke gesorgt. Und dann ging es los!

Zu beinah jedem Spiel füllte sich der Saal, alle wollten dabei sein, dafür wurde sogar auf liebgewordene Gewohnheiten wie Mittagsschlaf oder die Lieblingssendung im Fernsehen verzichtet.

Aufmerksam wurde der Spielverlauf verfolgt, selbst demente Bewohner ließen sich von der spannungsgeladenen Atmosphäre mitreißen und fieberten mit. Am Ende wurde gemeinsam gefeiert oder ein bisschen getrauert, und alle konnten sagen: „Wir waren dabei!“

Birgit Pöppler


Wir wollen bauen!
1. Preis für besondere Architektur

Architekturwettbewerb für neues Wohn- und Pflegezentrum in der Kasseler Unterneustadt

Der Architektenwettbewerb zum Neubau einer Wohn- und Pflegeeinrichtung in der Unterneustadt, in der sechs bis sieben Hausgemeinschaften mit jeweils zehn bis zwölf Apartments entstehen sollen, wurde am 13. 11. 2009 entschieden. Die Jury vergab den mit 16.000 Euro dotierten Preis an die Stuttgarter h4a Architekten.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, denn es entspricht sehr weitgehend unseren Vorstellungen und den Erwartungen an eine besondere Architektur am exponierten Unterneustädter Kirchplatz", sagt Hans-Uwe Schultze, Schultze und Schulze, Architekten, Städtebauarchitekten und Stadtplaner BDA. Besonders gefiel dem Preisgericht am Siegerentwurf seine konsequente Umsetzung der Nutzerinteressen durch seine klare Struktur.

Zwei weitere Preise sind vergeben worden an die Büros ARP Architektenpartnerschaften, Stuttgart, und Foundation 5+, Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Sprengwerk, Architektur und Sanierung, Kassel.

Das Preisgericht hat uns, der Sozialgruppe Kassel. e.V., die Realisierung des Gewinnerkonzepts empfohlen. Eine Entscheidung wird in Kürze getroffen. Der Neubau, der für rund 6,5 Mio. Euro auf dem freien Grundstück neben dem QVC-Gebäude errichtet werden soll, wird 77 Menschen, die ganz oder teilweise auf Hilfe angewiesen sind, ein Zuhause bieten.

Aufgrund der guten Erfahrung mit einem Architekturwettbewerb, nach dessen Ergebnis das Haus am Holzmarkt entstand, haben wir uns wieder für ein solches Verfahren entschieden. Das Ergebnis gibt uns Recht. Im August waren zwölf Architektur-Büros zu einem Kolloquium eingeladen, in dem sie von Ursula Jahn, Alltagsbegleiterin in der Hausgemeinschaft 1 des Seniorenzentrums Renthof, über einen Tagesablauf einer fiktiven an Demenz erkrankten Person informiert wurden. "Alle drei Preisträger haben in ihren Entwürfen dann den Alltag der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Hauses als Leitlinie in ihrer Architektur umgesetzt", bestätigt Ilona Caroli, Vorsitzende.

Die Wettbewerbsorganisation und Vorprüfung oblag der Wohnstadt Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft Hessen mbH. "Wir hatten eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Der Wettbewerb musste europaweit ausgeschrieben werden. Aus den 113 Bewerbungen galt es, zwölf kompetente Büros auszuwählen. Durch den Wettbewerb wird eine hohe architektonische Qualität gesichert", betont Dipl. Ing. Alexander Inden für die Wohnstadt. An den Beiträgen sei deutlich erkennbar, dass es sich für alle Beteiligten gelohnt habe und sich das Verfahren amortisieren werde.

Inzwischen haben wir das Ergebnis des Wettbewerbs an das Hessische Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, Wiesbaden, das Deutsche Hilfswerk und das Kuratorium für Altershilfe gesandt und hoffen auf positive Bescheide zu unseren gestellten Anträgen. Mit einem Baubeginn rechnen wir Anfang 2011. Wenn alles klappt, kann das Gebäude im Herbst 2012 bezugsfertig sein.

Über unser Vorhaben haben natürlich Ilona Caroli, Gerald Reißmann und Martina Dittel zuerst die Bewohnerinnen und Bewohner, deren Angehörige und Betreuer und das Personal informiert. Die Resonanz ist eindeutig: Die Erfahrungen mit bzw. das Erleben der Hausgemeinschaften im Seniorenzentrum Renthof wecken die Erwartungen an die verbesserten, modernen Möglichkeiten, die ein neues Haus bieten wird. Es werden die räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen, um ein höchstmögliches Maß an Selbständigkeit im Alltag zu gewähren und dies unabhängig von Einschränkungen des Alters oder einer Demenzerkrankung. Ein Umzug in eine Pflegestation wird es nicht geben. Wer in seinem Apartment bleiben möchte, kann dies unabhängig einer sich verändernden Assistenz der Pflege. Wenn das Konzept der Hausgemeinschaften schon im Renthof mit seinen durch das Gebäude begrenzten Möglichkeiten überzeugt, wird es in einem Haus, das speziell für das Erhalten der Alltagsqualität gebaut wird, seine Vorbildlichkeit engagiert fortsetzen.

Gerald Reißmann (Geschäftsführer)

 

 

 

 

Wir freuen uns sehr über die erste Zusage über Fördermittel, die wir am 02.12.2009 erhalten haben. Die ARD Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" fördert unsere neue Pflege-/Wohneinrichtung in der Kasseler Unterneustadt mit einem Betrag in Höhe von 250.000 Euro. Siehe auch www.einplatzandersonne.de; ohne Zweifel auch eine guter Name zu unserer Konzeption.

 


Impressionen zur Preisverleihung und Vernissage

 


Zeitreise mit Musik
Seit 15 Jahren musiktherapeutische Begleitung

"Natürlich können wir das. Das haben wir doch in der Schule gelernt!" Stolz berichtet eine Seniorin von ihren Kenntnissen und Erlebnissen in ihrer Schulzeit vor fast 80 Jahren. Ausgangspunkt dieser frohen und geordneten Erzählung war das Lied Sah ein Knab ein Röslein steh’n, das von der kleinen Runde zuvor vielstimmig gesungen wurde.

Seit fast einem Jahr trifft sich diese Runde jeden Mittwochmorgen für etwa 20 Minuten zum Singen. Motor dieser lebensfrohen Veranstaltung ist Axel Rüdiger, der seit über 15 Jahren die BewohnerInnen des Renthofs musiktherapeutisch betreut. Als Zitherspieler findet er schnell Zugang zu dieser Generation und schafft mit seiner Musik eine Basis für Vertrauen und Zufriedenheit.

Singen und Musizieren macht am meisten Freude, wenn man es mit vielen tut. Dieses echte gemeinsame Erleben ist außerhalb der Musik insbesondere Demenzkranken kaum mehr möglich. Beim gemeinsamen Singen jedoch sind alle in der Runde gleich, jeder kann nach seinen Möglichkeiten mitsingen, und Krankheit, Depression und Demenz behindern nicht das Gruppenerleben.

Große Singe-Runden mit über 20 TeilnehmerInnen sind einmal im Monat ein echtes Highlight für die oft hochbetagten Menschen des Renthofs. Aber es gibt immer mehr Menschen, die aufgrund ihrer Krankheit das Bett nicht mehr verlassen können und somit auch nicht am gemeinschaftlichen Singen teilhaben können. Genau für diese BewohnerInnen starteten im Frühling 2009 der Zitherspieler und die Leiterin des Renthofs, Martina Dittel, ein Projekt: "Wenn die Menschen nicht mehr zu mir kommen können, gehe ich zu ihnen", sagte sich Axel Rüdiger, nahm seine Zither und begann am Bett zu spielen und zu singen.

"Ihre Musik kann man ja nicht nur hören, sondern auch fühlen", bemerkte Frau B. einmal. Damit die Menschen die Vibration der Saiten erfahren, legen sie oft ihre Hand auf das Instrument, oder die Schwingungen der Zither werden durch Kontakt auf das ganze Bett übertragen. Diese ganzkörperliche Wahrnehmung des Instruments im Zusammenhang mit den vertrauenserweckenden Klängen der Zither bilden die Grundlage der musiktherapeutischen Arbeit. Musik aus der Konserve (Kassette / CD o.ä.) wäre hier in keiner Weise eine Alternative.

Es ist unabdingbar, sich mit der Jugendzeit der Menschen auseinander zu setzen und ein Repertoire der gängigsten Lieder dieser Generation im Kopf (und nicht nur auf dem Notenblatt) parat zu haben. Immerhin tragen alle BewohnerInnen des Renthofs ein gemeinsames musikalisches Repertoire mit über 150 Volksliedern mit sich herum. Dazu kommen noch einmal fast genau so viele Melodien (und Worte) aus den Bereichen Filmschlager und Gassenhauer.

Damit sich aber der Einzelne auf seiner wöchentlichen musikalischen Reise in die Vergangenheit wohl fühlt, muss der Musiktherapeut sich natürlich mit der jeweiligen persönlichen Biografie auseinander gesetzt haben. Jeder Mensch trägt "seine" Musik in sich; viele Melodien verbinden sich mit einst erlebten Situationen und Gefühlen. Diese längst vergangenen, oft schönen Erlebnisse wieder wach zu rufen, bedarf es Fingerspitzengefühls, Menschenkenntnis und Erfahrung. Diese kann Axel Rüdiger vorweisen.

Da das Singen aber am meisten Freude bereitet, wenn man es gemeinsam tut, stellte die Alltagsbegleiterin Ursula Jahn kleine Singe-Runden zusammen, die zusammen mit Hilfe der Zither einmal in der Woche musizieren. Im Tagesraum, im Zimmer, am Bett, am Frühstückstisch ... Die Zither spielt überall, man kann sie mitnehmen und sie klingt: auf die Knie gelegt, aufs Bett gestellt oder am Tisch.

 


Nachruf
Annemarie Hartwig

Am 8. 8. 2009 starb Annemarie Hartwig im Alter von 85 Jahren. Neben ihrem vielfältigem sozialen Engagement, u. a. war sie von 1997 bis 2006 Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Kassel, bleibt uns Annemarie Hartwig auch als langjährige Heimbeirätin des Seniorenzentrums Renthof in Erinnerung. Bis ins hohe Alter blieb sie aktiv für die Belange der HeimbewohnerInnen. Diese Aufgabe erfüllte Annemarie Hartwig mit Herz und Vorbildlichkeit. Dafür danken wir und bewahren ihr ein ehrendes Andenken.

Ilona Caroli (Vorsitzende)
Gerald Reißmann (Geschäftsführer)

 


Von Einkaufsbegleitung bis Fußmassage
Zusatzbetreuung: Ein neues Berufsbild stellt sich vor

HeimbewohnerInnen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen haben einen Anspruch auf Zusatzbetreuung nach § 87 b Sozialgesetzbuch XI. Dieses zusätzliche Angebot soll einer drohenden sozialen Isolation vorbeugen.

Über den tatsächlichen Leistungsanspruch entscheiden die Pflegekassen, ein entsprechender Antrag wurde für alle infrage kommenden BewohnerInnen des Renthofs gestellt und bewilligt. Für jeden Berechtigten zahlt die Kasse einen Pauschalbetrag. Die Gesamtheit dieser Beträge ermöglicht es dem Seniorenzentrum, mich ausschließlich für diese Form der Zusatzbetreuung abzustellen.

Mein Betreuungs- und Aktivierungsangebot orientiert sich an den Fähigkeiten, Befindlichkeiten und Bedürfnissen des jeweiligen Menschen und wird sowohl als Gruppen- als auch in Form von Einzelbetreuung umgesetzt.

Meine Angebote sind z. B.:

  • Spaziergänge mit und ohne Hund
  • Ausflüge
  • Vorlesen
  • Singen
  • Kochen und Backen
  • Einkaufsbegleitung
  • Gesellschaftsspiele
  • Angebot von Hörbüchern
  • Besuch von Veranstaltungen
  • Leichte Hand-Fußmassagen
  • zur besseren Körperwahrnehmung
  • Schnuddelfrühstück
  • Gestaltung von Feiertagen

Weitere individuelle Angebote mache ich auf Wunsch und Nachfrage. Jeder Bewohner kann seine Wünsche äußern und das jeweilige Vorhaben bestimmen. Durch einen regelmäßigen Kontakt, verbale (Gespräche), sowie nonverbale (Körpersprache, Blicke, Berührungen) Begegnungen kommt es häufig zu einer vertrauten Bindung.

Bei den BewohnerInnen, die aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz nicht mehr in der Lage sind, sich angemessen zu äußern, wurden auf der Grundlage von Biografie, Beobachtungen und Austausch mit Angehörigen Angebote geschaffen, von denen ich annehme, dass die Betroffenen Interesse und Freude daran haben könnten. Die mit dem jeweiligen Angebot erzielte Resonanz wird genau beobachtet und dokumentiert. Damit wird sichergestellt, dass niemandem, auch nicht hochdementen BewohnerInnen, eine Beschäftigung aufgedrängt wird, die diese nicht wünschen oder die sie überfordert.

Ich freue mich auch über Anregungen von außerhalb des Renthofs.

Ursula Jahn