Aktuelles
Weitere aktuelle Informationen zu den Einrichtungen finden Sie auch unter Presse.
5. Nikolausmarkt
im Seniorenzentrum Renthof
7. bis 9. Dezember, 14–19 Uhr
Im weihnachtlich geschmückten idyllischen Innenhof des
historischen
Renthofs werden liebevoll bestückte Marktstände
ein vorweihnachtliches Ambiente schaffen.
8. 12., ab 17 Uhr: Der Nikolaus rockt!
Musikalisches Special mit Ömes Theis und Stefan Hannen
9. 12., ab 15 Uhr: Weihnachtliches Potpourri
mit dem Chor der Stadt Vellmar, Leitung Manfred Streckenbach
An allen drei Tagen wird Kulinarisches von Glühwein bis
Bratwurst angeboten.
So gut es eben geht
Sitztanz mit Irmgard Sperzel – dreimal im Monat
Tanzen, das ging doch eigentlich anders
als im Sitzen, findet Will Williams, als er
zwischen sieben Frauen auf einem Stuhl
Platz genommen hat, den Rollator hinter
sich geparkt. Doch Gesellschaftstänze
sind beim Seniorentanz auch nicht gemeint,
erklärt Irmgard Sperzel, die selbst
bereits 80 Jahre alt ist und seit 20 Jahren
die Seniorentanzgruppen im Renthof leitet:
„Voraussetzung dafür, dass jemand
mitmacht, ist ein wenig Gefühl für Rhythmus
und musikalische Begeisterung.“
Manche der Mittänzerinnen werden
von den Altenpf
leger innen
gebracht, andere
kommen – auch mit Rollator – selbständig.
Die 99-jährige
Elsa Vöckel
ist die älteste
Sitztänzerin.
Ein kleiner Aufwand
für die
Beschäftigten
des Renthofes ist der Seniorentanz schon,
denn sie müssen den Kaffee eher bereitstellen
und einigen der BewohnerInnen
vorher auch noch beim Toilettengang helfen.
Aber das Haus legt Wert darauf, dass
der Sitztanz regelmäßig dreimal im Monat
angeboten werden kann, und so gäbe
es viel nette Unterstützung von Seiten der
Pflegerinnen, freut sich Sperzel.
Zu Musik, die den Menschen gefällt, an
die sie sich aus ihrer Jugendzeit erinnern,
die sie sogar noch auswendig mitsingen
können, führt Sperzel Bewegungen
mit Armen, Händen, Fingern und dem
ganzen Oberkörper vor und die TänzerInnen
machen einfach nach und mit, so
gut es eben geht.
Ein Begrüßungslied, in dem es heißt:
„Seid alle willkommen“ stimmt auf die
Stunde ein. Immer wieder erinnern sich
die TeilnehmerInnen an kurze Episoden
aus ihrem Leben. Bei dem Lied „Vor der
Kaserne, vor dem großen Tor“, berichtet
eine Frau: „Das habe ich auch mitgemacht,
ich habe meinen Mann immer
von der Kaserne abgeholt.“
Zu einigen anderen Liedern teilt Sperzel
Bälle aus, erst einen, den die SitztänzerInnen
im Takt von einer Hand in die
andere reichen und auf die Oberschenkel
tupfen. „Wenn jemand etwas in der Hand
hat, dann fällt das Mitmachen leichter“,
sagt die erfahrene Kursleiterin. Und so
gibt es nicht nur Bälle, sondern je nach
Lied und Mitmach-Gelegenheit auch Tücher
oder Teller.
Zöpfe aus je drei Feinstrumpfhosen
sind zu einem langen Kreis verknotet:
„Das ist unsere Zauberschnur“, erklärt
Sperzel. Und zu einem weiteren Lied bewegen
die Teilnehmenden in Wellen die
Schnur auf und ab.
Jedes Mal bringt sie den TänzerInnen
auch ein neues altes Lied mit neuen Bewegungen
bei, sie marschieren im Sitzen,
rollen die Hände, klatschen und kreuzen
die Arme: Manche Bewegungen fallen
den BewohnerInnen sichtlich schwer.
Aber das macht nichts, Sperzel erkundigt
sich nach ihrem Befinden, ist mit ihnen
vertraut. Schade findet sie es, dass viele
Menschen erst so spät ins Seniorenwohnheim
kämen, wenn fast nichts mehr
geht, sie schon sehr hilflos sind. Hier im
Renthof gäbe es Gesellschaft und Anregungen,
und das schätzten die BewohnerInnen
sehr.
Sylvia Hubele
Begegnungen im Renthof
im ,Aktionsmonat Kasseler Altenpflegeeinrichtungen’
„Mitten im Leben – Begegnung
im Stadtteil“, so hieß das
Motto für viele Aktionen im
September in Kasseler Pflegeeinrichtungen.
Das Seniorenzentrum
Renthof beteiligte
sich, indem es am 15. September
zum Tag der Offenen Tür
und zu einem Fachvortrag von
Nicole Richard einlud. Das
Thema: „Die innere und äußere
Erlebniswelt von Menschen
mit Demenz – die Integrative
Validation“.
Der Saal im historischen Renthof
ist mit Angehörigen, Pflegenden
aus dem privaten wie
auch dem beruflichen Bereich
und vielen anderen Interessierten
gefüllt. Nicole Richard ist
schnell beim Thema und vor
allem schnell bei Menschen,
die an einer Demenz erkrankt
sind, die „Zeitensprünge“ und
eine „neue innere Realität“
erleben: Sie sind gefangen in
ihren Gefühlen und Erinnerungen,
während die aktuelle
Realität nur noch eine untergeordnete
Rolle spielt. Integrative
Validation meint einen
wertschätzenden Umgang mit
Menschen mit Demenz und
stellt Ressourcen in den Mittelpunkt.
Sie orientiert sich an
der Wirklichkeitssicht dieser
Menschen und erklärt deren
Gefühle und Antriebe für gültig.
Ein weiterer Höhepunkt dieses
Tages war die Vorstellung eines
Musterzimmers im Neubau
am Unterneustädter Kirchplatz
– dem mittlerweile so benannten
Seniorenzentrum Unterneustadt.
Mitten im Rohbau gibt
es ein Zimmer im 1. Obergeschoss,
das bereits vollständig
hergestellt ist. Farbe, Fliesen,
Vorhänge, Möbel, Sanitärausstattung,
eben alles, und die
aktuelle Tageszeitung liegt auf
dem Tisch. Den ganzen Tag
war das Interesse groß, und
mit Lob wurde nicht gespart.
„Jeder an Demenz erkrankte
Mensch hat in sich auch
mindestens ein solches völlig
intaktes und aufgeräumtes
Zimmer. Wenn man es sucht,
kann man es auch finden“, ist
Vorstandsvorsitzender Gerald
Reißmann überzeugt.
Führungen ins Musterzimmer
Neues vom Neubau in der Kasseler Unterneustadt
Auf der Baustelle für eine neues Seniorenzentrum
wächst nicht nur das Gebäude,
sondern auch die Vorstellung,
wie es wohl nach der Fertigstellung
aussehen wird. Nach dem Einbringen
der Bodenplatte nimmt nun das 2. und
3. Obergeschoss Form und Gestalt an.
Auch die große Terrasse auf dem Erdgeschoss
vermittelt schon jetzt den fühlbaren
Eindruck, wie gemütlich man
sich hier einrichten kann.
Durch das Einrücken des Baukörpers
ab dem 1. Obergeschoss bleibt auch den
unmittelbaren Nachbarn der unverbaute
Blick zum Himmel. Zur Leipziger
Straße folgt die Attika der vorgegebenen
Gebäudelinie, mit der das Oval des Unterneustädter Kirchplatzes betont wird.
Mit der Fertigstellung des Rohbaus rechnen
wir im August 2012.
Im Frühsommer wird im 1. Obergeschoss
ein Musterzimmer ausgestattet.
Vornehmlich dient es dazu, die Funktionalität
auf dem Papier mit der Realität
abzugleichen. Das Besondere: Interessierte
können sich dieses Musterzimmer
ansehen. Wir bieten Führungen an, die
in der Tageszeitung angekündigt werden
bzw. im Seniorenzentrum Renthof
– (0561) 709930 – oder der Geschäftsstelle
– (0561) 970100-0 – erfragt werden
können.
Gerald Reißmann (Vorsitzender des Vorstands)
Glück auf acht Pfoten
Schutz- und Begleithunde im Kontakt mit demenziell Erkrankten
„Luna ist der allerschönste Hund der
Welt!“ Frau B., langjährige Bewohnerin
des Seniorenzentrums Renthof ist sich
da ganz sicher und sagt es Besuchshund
Luna immer wieder, wenn sie ihn freudestrahlend
begrüßt. Auch Isis wird mit
einem Kompliment bedacht, auch völlig
zu Recht, und die Lobende weiß sich im
völligen Einvernehmen mit allen anderen
BewohnerInnen, die die Freude haben,
von den beiden Schäferhunden regelmäßig
besucht zu werden.
Da das Seniorenzentrum Renthof momentan
nicht über eigene Hunde und
Katzen verfügt, begleiten beide Hunde
häufig ihre Besitzerin, eine unserer examinierten
Altenpflegekräfte, zur Arbeit
in den Renthof, in dem vor allem viele an
Demenz erkrankte alte Menschen leben.
Da erstrahlt ein glückliches Lächeln
auf Gesichtern, von denen man sonst den
Eindruck hat, dass ein Lächeln gar nicht
mehr möglich ist. Da zeigt sich auf einmal,
dass Hände, die sonst unkontrolliert
und grobmotorisch zupacken, zielgerichtet
und vor allen Dingen sanft berühren können
und dass auch Menschen mit einer demenzbedingten
eingeschränkten Sprachfähigkeit
Worte finden, um den Tieren zu
sagen, wie glücklich sie über ihren Besuch
sind und wie gern sie sie doch streicheln.
Und wenn es doch etwas gröber oder
lauter wird – Luna, die zehnjährige Schäferhündin hat alle Geduld der Welt. Sie
kennt sich aus, hat in neun Jahren reiche
Erfahrungen im Zusammentreffen mit
alten und kranken Menschen gesammelt
und ist der noch jungen Schäferhündin
Isis ein echtes Vorbild. Isis, altersbedingt
noch wild und voller Energie, weiß trotzdem
schon genau, was sie zu tun hat und
reagiert bei der ,Arbeit’ schon ganz professionell,
sei es beim Stillhalten beim
Gestreichelt-Werden oder beim Erhalten
von Leckerlis, wenn der Gebende Unterstützung
braucht.
Die beruhigende Wirkung, die der ausgebildete
Schutz- und Begleithund Luna
gerade auf demenziell und körperlich
eingeschränkte Menschen hat, wurde
schon früh erkannt und genutzt. Luna
wurde mit großem Erfolg in der Betreuung
von an Multipler Sklerose Erkrankten
und Menschen im Wachkoma eingesetzt.
Fernsehsender wie VOX, WDR und
Schweizer Fernsehen berichteten darüber.
Isis scheint über vergleichbare Eigenschaften
zu verfügen, sodass Luna einmal
eine würdige Nachfolgerin haben
wird. Beide sind ein ,Glück auf acht Pfoten’,
auf das im Seniorenzentrum Renthof
niemand mehr verzichten möchte.
Birgit Pöppler (Altenpflegerin)
Ein – fast – unglaubliches Leben
Will Williams malte die Plakate der heutigen Filmklassiker
„Zeichnen ist wie Radfahren, das verlernt
man nicht“, sagt Will Williams
schmunzelnd. Der 90-Jährige wohnt seit
etwa einem Jahr im Seniorenzentrum
Renthof und erinnert sich gerne an sein
unglaubliches Leben: Denn ob Marilyn
Monroe, Charlie Chaplin oder John
Wayne – Williams malte sie alle. In den
1950er und 60er Jahren, als die Filmplakate
noch von Hand gemalt wurden, war
Will Williams für viele Plakate der heutigen
Filmklassiker verantwortlich.
Gelernt hatte er sein Handwerk in Italien.
„Die Italiener waren damals die berühmtesten
Filmplakatmaler der Welt“,
ist sich Williams heute noch sicher. Er
blättert in dem Buch, in dem seine Lebenserinnerungen
festgehalten sind. Mein
unglaubliches Leben erschien 2007 im Herbig-
Verlag.
„John Wayne war eifersüchtig auf
mich.“ Ein schalkhaftes Lächeln zieht
sich über das Gesicht des alten Herrn,
der wirklich Unglaubliches zu berichten
hat. Der Westernregisseur John Ford zum
Beispiel sei sehr diktatorisch mit seinen
Schauspielern umgegangen, also auch
mit John Wayne. Und Wayne war nicht
begeistert über die Freundlichkeit, mit der
Ford seinen Illustrator Will Williams behandelte,
erinnert sich Williams.
Schon als Kind war Williams von der
Welt des Films begeistert. In Wuppertal,
wo er aufwuchs, nahm ihn die Mutter regelmäßig
mit ins Kino. Williams besuchte
die Kunsthochschule und wurde 1941 zur
Marine eingezogen. An der Frontbühne
zeichnete er Heinz Rühmann und Hans
Albers. „Aufgrund der Zeichnerei war
ich in der Lage, den Krieg zu überleben“,
konstatiert Williams. Er geriet in amerikanische
Gefangenschaft und zeichnete
dort Anti-Nazi-Propaganda für die OSS,
die Vorgängerin der CIA.
1959 wurde Will Williams amerikanischer
Staatsbürger und lebte 30 Jahre
lang in Hollywood. Der gebürtige
Deutsche war der Liebling der Stars und
konnte sich vor Aufträgen kaum retten.
Er lernte Rosita Serrano, die „chilenische
Nachtigall“ kennen und lebte einige Zeit
in Chile, wo er auch den Diktator Augusto
Pinochet malte.
Immer wieder sinniert Williams über
Namen und Orte nach: „Wie hießen sie
alle noch? – Ach, weiß der Himmel!“ Er
blättert in seinem Buch über sein – fast –
unglaubliches Leben.
Sylvia Hubele
Mit wenigen Handgriffen
viel Freude bereiten
Neun Freiwillige: engagiert im Renthof
Tische rücken vor der Weihnachtsfeier,
Grillen beim Sommerfest oder das gemeinsame
WM-Schauen organisieren
- das sind Aufgaben, die im Renthof seit
2004 ein Team von freiwilligen Helfern
übernimmt. "Mit der Zeit sind es immer
mehr geworden, weil alle das in ihren
Bekannten- und Freundeskreis weitergetragen
haben", sagt Heimleiterin Martina
Dittel. "Inzwischen sind es neun, die
uns regelmäßig bei Veranstaltungen unterstützen.
Bei der Pflege dürfen sie nicht
mithelfen, das darf nur das Fachpersonal,
aber über die tatkräftige Hilfe bei Festen
freuen wir uns sehr! Ohne sie wäre z. B.
der Nikolausmarkt nicht zu machen."
Und dann gibt es noch die ,gute Seele’
Friedel Waschkowitz, die ein- bis zweimal
in der Woche in der Hausgemeinschaft 2
ehrenamtlich kocht und backt.
Als kleines Dankeschön unternimmt
Martina Dittel Ausflüge mit den Helfern.
Nora Wetzel fotografierte die Gruppe
Ende September, kurz vor der Abfahrt
zu einem gemeinsamen Wochenende in
Dresden. Dabei fragte sie die Freiwilligen
auch, warum sie im Renthof arbeiten.
Frank Borsuk: Älter werden ist etwas,
das uns alle betrifft – und das Personal
in den Pflegeheimen wird immer weniger,
da braucht es Eigeninitiative. Ich bin
jetzt noch in der Lage, Anderen zu helfen.
Vielleicht tut ja später mal jemand dasselbe
für mich?
Bernd Dietrich: Ich arbeite hier, weil
das Miteinander von Menschen mir wichtig
ist – alleine können wir nicht leben.
Harald Eichhorn: Es macht richtig
Spaß, wenn man sieht, wie die alten Leute
sich freuen können, und es ist toll, dass
man Leute mit wenigen Handgriffen so
glücklich machen kann.
Jürgen Ludwig: Wir wollen jüngeren
Leuten, die ihre Angehörigen im Renthof
besuchen, zeigen, dass man sich auch in
diesem Bereich engagieren kann. Auch
in unseren Freundes- und Bekanntenkreis
tragen wir das weiter.
Wilfried Ludwig: Ich will einfach helfen,
Wenn wir z. B. zum Zissel oder zu
Weihnachten Veranstaltungen machen,
ist es schön, wie die Leute sich freuen.
Karsten Weide: Wenn man hier einmal
dabei ist, ist das wie ein Selbstläufer. Die
Gemeinschaft mit den anderen Helfern ist
schön. Wir machen auch Ausflüge oder
verbringen mal einen Abend zusammen.
Joachim Martens: Ich finde die Gespräche
mit den älteren Leuten interessant,
weil sie oft ganz andere Ansichten
haben – da sieht man die Dinge mal aus
einer anderen Perspektive und kann seine
Meinung festigen oder überdenken.
Volker Hartung: Ich habe die Gruppe
hier durch Zufall kennen gelernt, als ich
im Renthof eine Brandmeldeanlage installiert
habe. Ich mache mit, weil ich gemerkt
habe, dass man mit dem Engagement
hier ganz schön viel bewerkstelligen
kann.
Reiner Daniel: Es ist schön, in einem
tollen Team den älteren Menschen hilfreich
zur Seite zu stehen.
Kompetenzzentrum Demenz
Der Zukunft ein Stück näher - Umzug 2013
Sicher haben Sie in den letzten Wochen
und Monaten immer wieder gehört:
Die Sozialgruppe Kassel baut ein neues
Altenheim. Und sicher haben Sie sich
auch gefragt, wann das denn endlich soweit ist. Nun - jetzt geht es richtig los! Am
3. 3. 2011 haben wir vom Hessischen Sozialministerium in Wiesbaden das Okay für
unseren Neubau erhalten, am 20. 4. 2011
wurde die Baugenehmigung erteilt.
70 Jahre lang war das Seniorenzentrum
der Sozialgruppe Kassel e.V. (vormals Verein für Volkswohl e.V.) im Renthofgebäude untergebracht. 70 Jahre, in denen wir
unsere Vorstellungen davon, wie alte,
pflegebedürftige Menschen leben können,
entwickelt haben. Vor einigen Jahren reifte die Erkenntnis, dass ein "normaler" Stationsbetrieb, wie bis dahin üblich, nicht
den Wünschen und Bedürfnissen von an
Demenz erkrankten Menschen entspricht
und dass es andere, bessere Möglichkeiten
geben muss.
So änderten wir trotz großer baulicher
Probleme im historischen Renthof unser
Konzept und passten es damit modernen
Strukturen an, indem wir Hausgemeinschaften eingerichtet haben. Das Leben
bzw. auch die Pflege in den Hausgemeinschaften zeichnen sich durch die Normalität des Alltags aus. In einer großen
Wohnküche ist Teilhabe der BewohnerInnen an der Speisenzubereitung und die
Gestaltung des Tagesablaufes nach deren
Wünschen und Bedürfnissen gewollt und
möglich. Weitere Elemente sind Haustiere,
Gruppenaktivitäten, ein Friseursalon etc.
Für die vielen weiteren Ideen, die sich
bisher wegen der baulichen Beschränkungen nicht umsetzen ließen, soll nun
das neue Haus am Unterneustädter Kirchplatz den erforderlichen Raum bieten. Im
neuen Haus werden wir unsere Arbeit als
Kompetenzzentrum Demenz erfolgreich
fortführen.
Einiges aber wird sich ändern: (Pflege-)Stationen im
herkömmlichen Sinn wird
es nicht mehr geben. Wir werden acht
Hausgemeinschaften haben, die insgesamt Platz für achtzig BewohnerInnen bieten. Die Unterbringung erfolgt ausschließlich in Einzelappartements, deren
Größe von jeweils 22,5 qm deutlich mehr
Platz bieten als im Renthof. Jede Hausgemeinschaft wird über einen großen Wohn- und Küchenbereich verfügen, genügend
Raum für den gemeinsamen Alltag.
Die Einrichtung wird, wie auch in unseren jetzigen Hausgemeinschaften, der
Realität der dort lebenden Bewohner angepasst, also nicht hochmodern oder gar
steril, sondern mit Möbeln ausgestattet
sein, die der Zeitphase entsprechen, an
die sich die Bewohner erinnern können,
und in dem Stil, in dem auch ihre Wohnungen eingerichtet waren. Die Grundausstattung der Appartements besteht
aus Pflegebett mit passendem Nachttisch und Kleiderschrank, damit bleibt
genug Platz, das neue Zuhause mit eigenen Einrichtungsgegenständen wohnlich zu machen.
Zwar müssen wir im Neubau auf unseren beliebten Innenhof verzichten, eine
begrünte Terrasse und diverse Balkone
werden diesen aber ersetzen. Eine Orangerie, als Wintergärten konzipierte Loggien
und der Freisitz in der 5. Etage mit Blick
über Kassel bieten für alle Jahreszeiten
kleine grüne Oasen. Auch sonst bietet das
neue Haus viele Annehmlichkeiten und
Unterhaltsames.
So wird die im Hause befindliche Bäcke
rei nicht nur unsere Bewohner morgens
mit frischen Brötchen versorgen, sondern
bietet auch Möglichkeiten für einen kleinen Einkauf oder einen Kaffeeklatsch. Ein
Raum im Haus wird für Kinovorstellungen und andere Kulturveranstaltungen
bereitgehalten. Für die im Renthof so beliebten große Feste wird auch im neuen
Haus ein großer Saal zur Verfügung stehen. Für einen weiteren Raum ist eine
Einrichtung geplant, der einer anderen lieben Gewohnheit Raum bieten soll - dem
abendliche Kneipenbesuch. Möblierung
und Dekoration werden Kneipenfeeling
vermitteln. Ein Gästezimmer wird es Angehörigen oder sonstigen Gästen ermöglichen, ihren Besuch etwas länger auszudehnen, auch dies war bisher leider nicht
möglich.
Und noch ein lang gehegter Wunsch
wird wahr werden: Die Kindertagesstätte
Unterneustadt wird eine Dependance bei
uns einrichten, sodass auch fröhliches
Kinderlachen durchs Haus schallen und
es sicherlich bei vielen Gelegenheiten
zu Begegnungen zwischen Jung und Alt
kommen wird. Überhaupt wird die Einbeziehung der Außenwelt eine größere Rolle
spielen. In unmittelbarer Nachbarschaft
gibt es Wohnungen, Läden, Bürohäuser,
man wird den Straßenlärm nicht nur hören, sondern das bunte Treiben auf den
Straßen auch beobachten können. Nach
wie vor sind Fulda und Aue schnell zu erreichen, sodass Spaziergänge im Grünen
wie bisher zum Tagesablauf gehören.
Und dann sind da noch fünf Penthouse-Appartements, die an Interessierte vermietet werden sollen. Dabei geht es nicht
etwa um betreutes Wohnen, sondern mit
der freien Vermietung soll ein Stück Normalität ins Haus einziehen - man hat
Nachbarn wie in jedem anderen Haus
auch.
Sie sehen - wir haben viel geplant, uns
viele Gedanken gemacht und brennen
darauf, sie endlich umzusetzen.
Wann ist der erste Spatenstich zu erwarten? August 2011. Was wir in den
nächsten Monaten tun? Die Lage und
Art des Baugrundstücks haben insgesamt
einen erhöhten Aufwand zur Folge. Das
Grundstück befindet sich in der Unterneustadt - einem Stadtteil, der im letzten
Krieg vollständig zerstört und dann zum
Bodendenkmal erklärt wurde. Darüber
hinaus befanden sich unter unserem Baugrund aber auch in noch weiter zurückliegender Zeit das Leipziger Tor und mit
hoher Wahrscheinlichkeit das Siechenhaus der Charité. Aus diesem
Grund
werden die Aushubarbeiten auch in
archäologischer Begleitung stattfinden.
Wir hoffen auf jeden Fall darauf, dass
wir im neuen Haus ab März 2013 mit unserer bisher so erfolgreichen Arbeit fortfahren können.
Birgit Pöppler (Pflegefachkraft und
Pressebeauftragte Seniorenzentrum Renthof)
Würde im Alter
Respektvoller Umgang mit BewohnerInnen
im Seniorenzentrum
Was würden sich die BewohnerInnen
wünschen und was sollte möglich sein
beim Pflegen und im Umgang mit ihnen? Aus jahrelanger Erfahrung bei der
Pflege meiner dementen Mutter habe ich
viel Neues zu beachten gelernt, denn oft
sind es Kleinigkeiten, die den BewohnerInnen den Tag verschönern und für
Zufriedenheit sorgen.
Wie schön fängt der Tag an, wenn
man das Zimmer oder den Gemeinschaftsraum betritt mit einem freundlichen Gruß und einem Lächeln im
Gesicht, der Bewohner wird mit seinem
Namen angesprochen, man fragt ihn,
wie es denn so geht, und schaut ihm
dabei ins Gesicht, denn auch die Menschen, die nicht mehr sprechen können, antworten mit einem Lächeln oder
Kopfnicken und freuen sich über die
Ansprache.
Beim Pflegen und Ankleiden sollte
es selbstverständlich sein, diese oft
schwierige Situation so angenehm wie
möglich zu gestalten. Ansprache spielt
auch hier eine große Rolle: Was möchten
Sie anziehen? Wie kann ich Ihnen bei
der Haarpflege helfen? Meine Mutter hat
sich gefreut, wenn sie im Spiegel nachschauen konnte, "ob die Frisur sitzt".
Brillen oder Gehhilfen reichen sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Geht man dann zum Wohnbereich,
freuen sich die BewohnerInnen über
einen schön gedeckten Tisch, viele sitzen
gern an ihrem "Stammplatz". Einige essen auch lieber allein am Tisch in ihrem
Zimmer, schön, wenn man darauf Rücksicht nehmen kann. Das wäre auch eine
nette Geste von BesucherInnen: Ein Kaffeekränzchen mit Unterhaltung im Zimmer oder am Tisch im gemeinsamen
Wohnbereich - gibt dieses doch dem Bewohner ein Gefühl von Zuwendung.
Vielleicht können BesucherInnen auch
beim Essenreichen helfen, dazu braucht
es allerdings Zeit und den Mut, das Personal um Hilfe zu bitten, wenn es nicht
gleich gelingt. Sollten die Tischmanieren
des Gegenübers in Vergessenheit geraten
sein, so gilt es, das mit Humor und ohne
Kritik in Kauf zu nehmen. Weitere Hilfen können z. B. sein, aus der Zeitung
vorzulesen, einfach nur die Hand zu
halten oder vielleicht einen kleinen Ausflug zu zweit an die frische Luft zu unternehmen.
Am Ende der Besuchszeit sollte keine
Hektik aufkommen. Außerdem ist es
nicht ratsam zu sagen, dass man selbst
jetzt nach Hause geht und der Bewohner
im Heim bleiben muss. Ich selbst habe
meiner Mutter liebevoll "Tschüss, ich
gehe jetzt einkaufen", gesagt und mich
auch von MitbewohnerInnen und Personal freundlich verabschiedet.
Patricia Fiand
(Heimbeirat Seniorenzentrum Renthof)
Im Inneren eine grüne Oase
Tag der Offenen Tür im Renthof
"Und das ist unsere kleine Oase, ein
Sinnesgarten, der wird von den Bewohnern
gerne genutzt", erklärt Alltagsbegleiterin
Ursula Jahn, als sie mit Charlotte
Ludwig den Innenhof des Renthofs betritt.
Sie führt am Tag der Offenen Tür BesucherInnen
durch das Seniorenzentrum
Renthof. "Das ist ja wunderbar hier", sagt
Charlotte Ludwig und schaut sich in dem
grünen, ruhigen Innenhof um. "Von außen
sieht man das ja gar nicht."
Dann geht es weiter zur Hausgemeinschaft
des Renthofs, in der zwölf Personen
und Hauskater Spooky leben, mit gemeinsamer
Küche und einem gemütlichen
Aufenthaltsraum.
„Wir veranstalten den Tag der Offenen
Tür, um die Hemmschwelle zu senken“,
erklärt Martina Dittel, die Leiterin des
Renthofs. „Die meisten kommen erst her,
wenn sie einen Platz suchen. Jetzt kann
man einfach mal so schauen, und das
wird auch angenommen.“ Tatsächlich
herrscht reges Treiben: Alte und junge
Menschen sitzen bei Kaffee und Kuchen
zusammen, vorn singt Wolfgang Mucha,
begleitet von einer kleinen Band, Seemanns-
Lieder.
Ursula Jahn und Charlotte Ludwig sind
inzwischen bei den Plänen für den Neubau
angekommen. Doch der historische
und so imposante alte Bau lässt die Besucherin
noch nicht los: „Ein bisschen
schade ist es ja schon um diese schönen
Räume.“
Nora Wetzel
Ganz Deutschland …
… und der Renthof im Fußballfieber
„Ganz Deutschland im Fußballfieber“
– so war es in den Tagen der Fußballweltmeisterschaft
in Südafrika überall zu lesen
und zu hören. Dass diese Aussage
zutraf, bewiesen die BewohnerInnen des
Seniorenzentrums Renthof. Alle waren
voller Vorfreude, jeder wollte dabei sein.
Und so organisierten Heimleitung und
Haustechniker ein hausinternes ,public
viewing’, das sich sehen lassen konnte.
Der Saal, ohnehin Schauplatz vieler
fröhlicher gemeinsamer Feiern, wurde zur
Fan-Meile umfunktioniert. Die Wände
wurden stilecht mit Fahnen, Trikots, Bildern
und sonstigen Dingen, die ein Fußballfanherz
erfreuen, dekoriert. Auch eine
Torwand durfte nicht fehlen.
Ein großer Bildschirm sorgte für den
Überblick und die genaue Sicht auf die
Helden des runden Leders. Und natürlich
war auch für Speisen und Getränke gesorgt.
Und dann ging es los!
Zu beinah jedem Spiel füllte sich der
Saal, alle wollten dabei sein, dafür wurde
sogar auf liebgewordene Gewohnheiten
wie Mittagsschlaf oder die Lieblingssendung
im Fernsehen verzichtet.
Aufmerksam wurde der Spielverlauf
verfolgt, selbst demente Bewohner ließen
sich von der spannungsgeladenen Atmosphäre
mitreißen und fieberten mit. Am
Ende wurde gemeinsam gefeiert oder ein
bisschen getrauert, und alle konnten sagen:
„Wir waren dabei!“
Birgit Pöppler
Wir wollen bauen!
1. Preis für besondere Architektur
Architekturwettbewerb für neues
Wohn- und Pflegezentrum in der
Kasseler Unterneustadt
Der Architektenwettbewerb zum Neubau
einer Wohn- und Pflegeeinrichtung
in der Unterneustadt, in der sechs bis
sieben Hausgemeinschaften mit jeweils
zehn bis zwölf Apartments entstehen sollen,
wurde am 13. 11. 2009 entschieden.
Die Jury vergab den mit 16.000 Euro dotierten
Preis an die Stuttgarter h4a Architekten.
"Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis,
denn es entspricht sehr weitgehend
unseren Vorstellungen und den Erwartungen
an eine besondere Architektur
am exponierten Unterneustädter Kirchplatz",
sagt Hans-Uwe Schultze, Schultze
und Schulze, Architekten, Städtebauarchitekten
und Stadtplaner BDA. Besonders
gefiel dem Preisgericht am Siegerentwurf
seine konsequente Umsetzung der Nutzerinteressen
durch seine klare Struktur.
Zwei weitere Preise sind vergeben worden
an die Büros ARP Architektenpartnerschaften,
Stuttgart, und Foundation
5+, Architekten in Arbeitsgemeinschaft
mit Sprengwerk, Architektur und Sanierung,
Kassel.
Das Preisgericht hat uns, der Sozialgruppe
Kassel. e.V., die Realisierung des
Gewinnerkonzepts empfohlen. Eine Entscheidung
wird in Kürze getroffen. Der
Neubau, der für rund 6,5 Mio. Euro auf
dem freien Grundstück neben dem QVC-Gebäude
errichtet werden soll, wird 77
Menschen, die ganz oder teilweise auf Hilfe
angewiesen sind, ein Zuhause bieten.
Aufgrund der guten Erfahrung mit
einem Architekturwettbewerb, nach dessen
Ergebnis das Haus am Holzmarkt entstand,
haben wir uns wieder für ein solches
Verfahren entschieden. Das Ergebnis
gibt uns Recht. Im August waren zwölf
Architektur-Büros zu einem Kolloquium
eingeladen, in dem sie von Ursula Jahn,
Alltagsbegleiterin in der Hausgemeinschaft
1 des Seniorenzentrums Renthof,
über einen Tagesablauf einer fiktiven an
Demenz erkrankten Person informiert
wurden. "Alle drei Preisträger haben in
ihren Entwürfen dann den Alltag der
künftigen Bewohnerinnen und Bewohner
des neuen Hauses als Leitlinie in ihrer Architektur
umgesetzt", bestätigt Ilona Caroli,
Vorsitzende.
Die Wettbewerbsorganisation und
Vorprüfung oblag der Wohnstadt Stadtentwicklungs-
und Wohnungsbaugesellschaft
Hessen mbH. "Wir hatten eine
anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen.
Der Wettbewerb musste europaweit ausgeschrieben
werden. Aus den 113 Bewerbungen
galt es, zwölf kompetente Büros
auszuwählen. Durch den Wettbewerb
wird eine hohe architektonische Qualität
gesichert", betont Dipl. Ing. Alexander Inden
für die Wohnstadt. An den Beiträgen
sei deutlich erkennbar, dass es sich für
alle Beteiligten gelohnt habe und sich das
Verfahren amortisieren werde.
Inzwischen haben wir das Ergebnis des
Wettbewerbs an das Hessische Ministerium
für Arbeit, Familie und Gesundheit,
Wiesbaden, das Deutsche Hilfswerk und
das Kuratorium für Altershilfe gesandt
und hoffen auf positive Bescheide zu unseren
gestellten Anträgen. Mit einem Baubeginn
rechnen wir Anfang 2011. Wenn
alles klappt, kann das Gebäude im Herbst
2012 bezugsfertig sein.
Über unser Vorhaben haben natürlich
Ilona Caroli, Gerald Reißmann und Martina
Dittel zuerst die Bewohnerinnen und
Bewohner, deren Angehörige und Betreuer
und das Personal informiert. Die Resonanz
ist eindeutig: Die Erfahrungen
mit bzw. das Erleben der Hausgemeinschaften
im Seniorenzentrum Renthof
wecken die Erwartungen an die verbesserten,
modernen Möglichkeiten, die ein
neues Haus bieten wird. Es werden die
räumlichen und personellen Voraussetzungen
geschaffen, um ein höchstmögliches
Maß an Selbständigkeit im Alltag
zu gewähren und dies unabhängig von
Einschränkungen des Alters oder einer
Demenzerkrankung. Ein Umzug in eine
Pflegestation wird es nicht geben. Wer in
seinem Apartment bleiben möchte, kann
dies unabhängig einer sich verändernden
Assistenz der Pflege. Wenn das Konzept
der Hausgemeinschaften schon im Renthof
mit seinen durch das Gebäude begrenzten
Möglichkeiten überzeugt, wird
es in einem Haus, das speziell für das
Erhalten der Alltagsqualität gebaut wird,
seine Vorbildlichkeit engagiert fortsetzen.
Gerald Reißmann (Geschäftsführer)
Wir freuen uns sehr über die erste Zusage über Fördermittel, die wir am 02.12.2009 erhalten haben. Die ARD Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" fördert unsere neue Pflege-/Wohneinrichtung in der Kasseler Unterneustadt mit einem Betrag in Höhe von 250.000 Euro. Siehe auch www.einplatzandersonne.de; ohne Zweifel auch eine guter Name zu unserer Konzeption.
Impressionen zur Preisverleihung und Vernissage
Zeitreise mit Musik
Seit 15 Jahren musiktherapeutische Begleitung
"Natürlich können wir das. Das haben
wir doch in der Schule gelernt!"
Stolz berichtet eine Seniorin von ihren
Kenntnissen und Erlebnissen in ihrer
Schulzeit vor fast 80 Jahren. Ausgangspunkt
dieser frohen und geordneten Erzählung
war das Lied Sah ein Knab ein
Röslein steh’n, das von der kleinen Runde
zuvor vielstimmig gesungen wurde.
Seit fast einem Jahr trifft sich diese
Runde jeden Mittwochmorgen für etwa
20 Minuten zum Singen. Motor dieser
lebensfrohen Veranstaltung ist Axel
Rüdiger, der seit über 15 Jahren die BewohnerInnen
des Renthofs musiktherapeutisch
betreut. Als Zitherspieler findet
er schnell Zugang zu dieser Generation
und schafft mit seiner Musik eine Basis
für Vertrauen und Zufriedenheit.
Singen und Musizieren macht am
meisten Freude, wenn man es mit vielen
tut. Dieses echte gemeinsame Erleben
ist außerhalb der Musik insbesondere
Demenzkranken kaum mehr möglich.
Beim gemeinsamen Singen jedoch sind
alle in der Runde gleich, jeder kann
nach seinen Möglichkeiten mitsingen,
und Krankheit, Depression und Demenz
behindern nicht das Gruppenerleben.
Große Singe-Runden mit über 20 TeilnehmerInnen
sind einmal im Monat
ein echtes Highlight für die oft hochbetagten
Menschen des Renthofs. Aber
es gibt immer mehr Menschen, die aufgrund
ihrer Krankheit das Bett nicht
mehr verlassen können und somit auch
nicht am gemeinschaftlichen Singen
teilhaben können. Genau für diese BewohnerInnen
starteten im Frühling
2009 der Zitherspieler und die Leiterin
des Renthofs, Martina Dittel, ein Projekt:
"Wenn die Menschen nicht mehr zu mir
kommen können, gehe ich zu ihnen",
sagte sich Axel Rüdiger, nahm seine Zither
und begann am Bett zu spielen und
zu singen.
"Ihre Musik kann man ja nicht nur
hören, sondern auch fühlen", bemerkte
Frau B. einmal. Damit die Menschen
die Vibration der Saiten erfahren, legen
sie oft ihre Hand auf das Instrument,
oder die Schwingungen der Zither werden
durch Kontakt auf das ganze Bett
übertragen. Diese ganzkörperliche
Wahrnehmung des Instruments im Zusammenhang
mit den vertrauenserweckenden
Klängen der Zither bilden die
Grundlage der musiktherapeutischen
Arbeit. Musik aus der Konserve (Kassette /
CD o.ä.) wäre hier in keiner Weise
eine Alternative.
Es ist unabdingbar, sich mit der Jugendzeit
der Menschen auseinander zu
setzen und ein Repertoire der gängigsten
Lieder dieser Generation im Kopf (und
nicht nur auf dem Notenblatt) parat zu
haben. Immerhin tragen alle BewohnerInnen
des Renthofs ein gemeinsames
musikalisches Repertoire mit über 150
Volksliedern mit sich herum. Dazu kommen
noch einmal fast genau so viele
Melodien (und Worte) aus den Bereichen
Filmschlager und Gassenhauer.
Damit sich aber der Einzelne auf seiner
wöchentlichen musikalischen Reise
in die Vergangenheit wohl fühlt, muss
der Musiktherapeut sich natürlich mit
der jeweiligen persönlichen Biografie
auseinander gesetzt haben. Jeder
Mensch trägt "seine" Musik in sich; viele
Melodien verbinden sich mit einst erlebten
Situationen und Gefühlen. Diese
längst vergangenen, oft schönen Erlebnisse
wieder wach zu rufen, bedarf es
Fingerspitzengefühls, Menschenkenntnis
und Erfahrung. Diese kann Axel
Rüdiger
vorweisen.

Da das Singen aber am meisten Freude
bereitet, wenn man es gemeinsam
tut, stellte die Alltagsbegleiterin Ursula
Jahn kleine Singe-Runden zusammen,
die zusammen mit Hilfe der Zither
einmal in der Woche musizieren.
Im Tagesraum, im Zimmer, am Bett,
am Frühstückstisch ... Die Zither spielt
überall, man kann sie mitnehmen und
sie klingt: auf die Knie gelegt, aufs Bett
gestellt oder am Tisch.
Nachruf
Annemarie Hartwig
Am 8. 8. 2009 starb Annemarie Hartwig
im Alter von 85 Jahren. Neben
ihrem vielfältigem sozialen Engagement,
u. a. war sie von 1997 bis 2006
Vorsitzende des Seniorenbeirats der
Stadt Kassel, bleibt uns Annemarie
Hartwig auch als langjährige Heimbeirätin
des Seniorenzentrums Renthof
in Erinnerung. Bis ins hohe Alter blieb
sie aktiv für die Belange der HeimbewohnerInnen.
Diese Aufgabe erfüllte
Annemarie Hartwig mit Herz und Vorbildlichkeit.
Dafür danken wir und bewahren
ihr ein ehrendes Andenken.
Ilona Caroli (Vorsitzende)
Gerald Reißmann (Geschäftsführer)
Von Einkaufsbegleitung
bis Fußmassage
Zusatzbetreuung: Ein neues Berufsbild stellt sich vor
HeimbewohnerInnen mit demenzbedingten
Fähigkeitsstörungen, geistigen
Behinderungen oder psychischen Erkrankungen
haben einen Anspruch auf Zusatzbetreuung
nach § 87 b Sozialgesetzbuch
XI. Dieses zusätzliche Angebot soll
einer drohenden sozialen Isolation vorbeugen.
Über den tatsächlichen Leistungsanspruch
entscheiden die Pflegekassen, ein
entsprechender Antrag wurde für alle
infrage kommenden BewohnerInnen des
Renthofs gestellt und bewilligt. Für jeden
Berechtigten zahlt die Kasse einen Pauschalbetrag.
Die Gesamtheit dieser Beträge
ermöglicht es dem Seniorenzentrum,
mich ausschließlich für diese Form der
Zusatzbetreuung abzustellen.
Mein Betreuungs- und Aktivierungsangebot
orientiert sich an den Fähigkeiten,
Befindlichkeiten und Bedürfnissen des jeweiligen
Menschen und wird sowohl als
Gruppen- als auch in Form von Einzelbetreuung
umgesetzt.
Meine Angebote sind z. B.:
- Spaziergänge mit und ohne Hund
- Ausflüge
- Vorlesen
- Singen
- Kochen und Backen
- Einkaufsbegleitung
- Gesellschaftsspiele
- Angebot von Hörbüchern
- Besuch von Veranstaltungen
- Leichte Hand-Fußmassagen
zur besseren Körperwahrnehmung
- Schnuddelfrühstück
- Gestaltung von Feiertagen
Weitere individuelle Angebote mache
ich auf Wunsch und Nachfrage. Jeder
Bewohner kann seine Wünsche äußern
und das jeweilige Vorhaben bestimmen.
Durch einen regelmäßigen Kontakt,
verbale (Gespräche), sowie nonverbale
(Körpersprache, Blicke, Berührungen)
Begegnungen kommt es häufig zu einer
vertrauten Bindung.
Bei den BewohnerInnen, die aufgrund
einer fortgeschrittenen Demenz nicht
mehr in der Lage sind, sich angemessen
zu äußern, wurden auf der Grundlage
von Biografie, Beobachtungen und Austausch
mit Angehörigen Angebote geschaffen,
von denen ich annehme, dass
die Betroffenen Interesse und Freude daran
haben könnten. Die mit dem jeweiligen
Angebot erzielte Resonanz wird
genau beobachtet und dokumentiert. Damit
wird sichergestellt, dass niemandem,
auch nicht hochdementen BewohnerInnen,
eine Beschäftigung aufgedrängt
wird, die diese nicht wünschen oder die
sie überfordert.
Ich freue mich auch über Anregungen
von außerhalb des Renthofs.
Ursula Jahn